Kematner Familie muss ihre Hühner abgeben

Laura Voggeneder Laura Voggeneder, Tips Redaktion, 11.02.2019 19:10 Uhr

KEMATEN AN DER KREMS. Weil sich eine Nachbarin beschwerte, muss Familie Bergmann sechs Hühner und einen Hahn entfernen. Der Bürgermeister bedauert die Entscheidung. Ihm sind rechtlich jedoch die Hände gebunden.

Seit drei Jahren leben die sechs seltenen Sulmtaler-Hühner und Orpington-Hahn auf dem kleinen Hang im Zentrum Kematens. Die Nachbarskatze kommt auch immer wieder gern vorbei. Der Grund, auf dem sich die Hühner aufhalten, liegt zwischen dem Grundstück der Familie Bergmann und dem Pfarrhof und gehört zum Stift Kremsmünster.

„Es war als Gemeinschaftsprojekt zwischen der Pfarre und uns geplant. Es gab dort vorher viele Zecken und die Bauern in der Umgebung wollten den schwierigen Hang nicht mehr mähen. Das Mikroklima ist aber extrem gut und eignet sich ideal für Kleintiere so wie Hühner, denn sie kümmern sich auch um die Zecken. Die Hühner halten die Vegetation in Schuss“, sagt Klaus Bergmann. Jetzt muss die sechsköpfige Familie die Hühner aber weggeben.

Eine älter als 90 Jahre alte Nachbarin hat sich bei der Gemeinde Kematen beschwert. Die Nachbarin betreibt selbst einen Garten und befürchtet, dass die Hühner Krankheiten und Ungeziefer einschleppen.

Nutztiere verboten

„Uns wurde wiederholt eine entsprechende Beschwerde zugetragen“, bestätigt Kematens Bürgermeister Markus Stadlbauer. Die Nachbarin ist im Recht, denn Nutztiere dürfen im Wohngebiet nicht gehalten werden.

Erst im Sommer 2018 hat der Verwaltungsgerichtshof in Wien in einem ähnlichen Fall gegen die Haltung von Hühnern entschieden. In diesem Fall ging es um drei Hühner in einem Siedlungsgebiet in Enns. Tips hat berichtet.

Einspruch wird erhoben

Klaus Bergmann wird gegen die Entscheidung des Gemeinderats Kematen Einspruch erheben, um zumindest einen Aufschub zu erreichen. Er setzt jetzt auf die nächste Instanz: Anfang März wird der oberösterreichische Landtag in einem Unterausschuss die Thematik der privaten Haltung landwirtschaftlicher Nutztiere behandeln. „Wir können derzeit nur diese Beratungen und eine allfällige Gesetzesnovellierung abwarten“, sagt Stadlbauer.

Klaus Bergmann will die Hoffnung nicht aufgeben, dass er die Hühner doch behalten kann: „Die Hühner sind tolle Haustiere und sehr intelligent. Meine Frau kann sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, die Hühner abzugeben. Sie ist Amerikanerin und liebt es, hier in Österreich zu leben, weil wir eben Tiere und Land so lebenswert behandeln, jedoch erodiert das auch schön langsam.“

Familie hängt an den Hühnern

Bergmann betreibt ein technisches Büro für Sprinkler und Trinkwasser sowie Lüftungsplanungen in Kematen. Für Familie Bergmann – das sind Klaus, Mutter Nicole Pauline, die aus den USA kommt, und die vier Kinder – ist die Haltung der Hühner ein Stück Freiheit. Die Eier geben ihnen die Möglichkeit, sich bis zu einem gewissen Grad selbst zu versorgen. Die Familie hat auch den Pfarrer Kematens mit Eiern versorgt. Mit einer Wasserquelle, die im Pfarrhof entspringt, ist eine autarke Wasserversorgung möglich. Nicole Pauline hat einen grünen Daumen.

Unterbringung angeboten

Muss die Familie die Hühner wirklich weggeben, gäbe es schon Unterschlupf für sie. „Ich bin froh, dass es von einigen Hühnerhaltern im Grünland beziehungsweise im Dorfgebiet Angebote für die - möglicherweise zwischenzeitliche -  Unterbringung der Hühner gibt. Diesbezüglich bin ich auch mit Familie Bergmann in Kontakt“, sagt Bürgermeister Stadlbauer.

Klaus Bergmann hofft jetzt auf die Solidarität von Menschen, die seinen Standpunkt teilen: „Je mehr Menschen sich für das Thema einsetzen, umso mehr steigt der Druck auf die Kommission, wir wissen ja alle, wie das läuft.“ Der Familienvater bezeichnet sich als resilient und will jetzt die Entscheidung des Unterausschusses abwarten. Er appelliert an den Hausverstand: „Ich hoffe, dass wir Menschen nicht den letzten Funken Naturverbundenheit verlieren werden.“

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