Cannabis liegt im Trend und ist auch im Bezirk Melk angekommen

Margareta Pittl Online Redaktion, 30.01.2019 07:00 Uhr

BEZRIK MELK. Hanf liegt im Trend. 150 Millionen Euro soll die legale Cannabis-Branche im Jahr umsetzen. Vor allem im städtischen Bereich sprießen Hanf-Shops aus dem Boden. Mehr als 200 solcher Läden gibt es in Österreich bereits. Verwendet und verarbeitet wird Hanf vielfältig. Tips hat zwei Branchenvertreter besucht: Den Biohanfbauern Stefan Riegler-Nurscher in St. Leonhard und die Hanf-Laden-Betreiberin Doris Buchegger in Kemmelbach.

Seit über 20 Jahren wird in St. Leonhard bereits Hanf angebaut und das ganz legal. „Manche haben damals aufgehört, uns zu grüßen“, blickt Stefan Riegler-Nurscher auf schwierige Anfangszeiten zurück. Das ist aber längst Vergangenheit. Der junge Biohanfbauer hat den Betrieb nach dem Tod seines Vaters Anfang der 2000er-Jahre übernommen. Mittlerweile haben sich er und seine Familie als Hanfwelt Riegler-Nurscher etabliert, ihr Betrieb ist ein begehrtes Ausflugsziel, ihre Produkte finden über die Landesgrenzen hinweg Abnehmer. Sie beliefern unter anderem Bäckereien und Bio-Läden. Geschälte Hanfsamen, Hanföl, Hanftee und vieles mehr wird erzeugt. „Wir haben vieles ausprobiert, der Hanf ist hier gut gewachsen“, erklärt Riegler-Nurscher die Umstellung auf Biohanf Mitte der 90-er Jahre. Inzwischen hat der Betrieb zahlreiche Vertragslandwirte, im abgelaufenen Jahr waren es 81. In Niederösterreich, Oberösterreich und im Burgenland werden auf rund 500 Hektar Cannabis-Pflanzen für den St. Leonharder Hanf-Bauern gesät und geerntet. Die Pflanzen, die auf seinen Äckern wachsen, haben einen THC-Gehalt von unter 0,3 Prozent – THC steht für Tetrahydrocannabinol und ist der berühmt-berüchtigte Inhaltsstoff, der berauschende Wirkung hat. Riegler-Nurschers Cannabis fällt also nicht unter das Suchtmittelgesetz, weil es nicht zur Erzeugung von Rauschmitteln geeignet ist. Das wird auch streng kontrolliert. „Unser Hanf durchläuft drei Kontrollen. Zuerst wird das Saatgut geprüft, dann die Pflanze und dann gibt es noch einmal eine Kontrolle bei der Verarbeitung am Hof. Erst dann wird vermarktet“, erklärt Riegler-Nurscher.

„Ein paar Lustige gibt es immer“, ist der junge Landwirt humorvoll gemeinte Scherze ob seiner doch etwas außergewöhnlichen Produkte gewöhnt. Mittlerweile wisse er gut zu kontern.

Genügsame Pflanze

Zwei bis dreimal in der Woche kommen Hanfprodukte, wie etwa Hanfaufstrich, auch am eigenen Hof auf den Tisch. „Der Geschmack ist nussig“, erklärt Riegler-Nurscher. Da Hanf, die Pflanze zählt zu den ältesten Nutz- und Zierpflanzen der Welt, sehr genügsam ist, halte er auch Trockenheit gut aus. „Wir hatten heuer im Vergleich zu Getreidebauern sicher weniger Einbußen.“Den Höhenflug, den die Hanfbranche derzeit erlebt, sieht Riegler-Nurscher pragmatisch. „Es gibt einen Riesenboom. Man wird sehen, wie lange er anhält und wer am Ende bleibt. Meist sind es die, die vorher schon da waren.“ Auch Diskussionen rund um neue Verbote und Gesetzesänderungen, wie sie etwa im letzten Jahr wieder aufkamen, steht der Landwirt gelassen gegenüber. „Solche Diskussionen gibt es von Zeit zu Zeit und es findet sich immer wieder eine Lösung.“

Einen Rückschlag musste im Dezember die sogenannte CBD-Branche, die sich zuletzt großer Gewinne erfreute, hinnehmen – CBD steht für Cannabidiol und ist wie THC ein Inhaltsstoff der Hanfpflanze. Allerdings ist CBD nicht psychoaktiv, es löst keine Rauschzustände aus und unterliegt nicht dem Suchtmittelgesetz. Ihm wird unter anderem angstlösende und entzündungshemmende Wirkung nachgesagt. Das Sozialministerium verbot Anfang Dezember allerdings mit einem Erlass unter Berufung auf die Novel-Food-Verordung der EU den Handel mit Cannabinoid-haltigen Extrakten. Lebensmittel und Kosmetika, die solche Extrakte enthalten, dürfen seither nicht mehr in Verkehr gebracht weren. „Der Handel mit CBD muss geregelt werden und es müssen Parameter aufgestellt werden. Es gibt hier einen Wildwuchs“, steht Riegler-Nurscher strikteren Regelungen positiv gegenüber. Für ihn selbst sei die Vermarktung von Produkten mit Cannabinoid-haltigen Extrakten nie Thema gewesen.

Die „Hanfmädels“

Rund 20 Kilometer von Riegler-Nurschers Hanfwelt entfernt, in Kemmelbach, steht seit knapp einem Jahr auch alles im Zeichen von Hanf. Dort hat die Purgstallerin Doris Buchegger in den Räumlichkeiten des einstigen Nahversorgers „s“Hanf Gschäftl„ eröffnet. “Das ist ein Gefühl von innen„, so Buchegger auf die Frage, warum sie sich mit einem Hanf-Shop selbstständig gemacht habe. Sie möchte ein Sprachrohr für die Pflanzen sein. “Es braucht solche Geschäfte und es braucht Aufklärungsarbeit. Hanf ist nicht gleich Hanf„, betont die Laden-Betreiberin. Das erste Jahr in Kemmelbach sei gut gelaufen. “Wir werden gut angenommen. Natürlich wird man beobachtet, aber die Menschen wissen mehr und mehr um Hanf Bescheid. Viele sind schon gut informiert.„ In Bucheggers Laden findet sich eine Vielzahl an verschiedenen Hanfprodukten. Von Lebensmitteln, über Kleidung und CBD-Blüten bis hin zu Hanfstecklingen. “Mit THC geht hier nix„, will die Purgstallerin betont wissen. “Wir wollen zeigen, wie vielseitig die Pflanze ist. 97 Prozent von ihr können wertvoll genutzt werden. Die Natur ist der beste Künstler der Erde.„ Ihre älteste Kundin sei 95 Jahre alt, erzählt die Hanf-Laden-Betreiberin. Die Menschen kämen von weit und breit, auch aus dem Ort selbst seien es immer mehr. “Sie wissen jetzt schon, dass ihnen hier nichts passiert„, erzählt Buchegger lachend. Sie und ihre Mitarbeiterin Ursula Nagelhof würden bereits liebevoll “die Hanfmädels„ genannt werden. Was die Zukunft anbelangt, seien sie guter Dinge, so Buchegger.

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