Österreich beim Thema Recycling auf dem Vormarsch

Dirk Schwarz, Leserartikel, 20.07.2018 17:27 Uhr

Österreichs Recycling-Quote liegt bei 58 Prozent. Damit ist Österreich nur knapp davon entfernt, die neue Ziel-Quote der EU zu überschreiten. Das spricht auch für den aktuell sichtbaren Trend an abnehmenden Müllmengen. Zwischen den Jahren 2005 und 2016 hat sich die Müllmenge in Europa um etwa 4 % reduziert. Leider betrifft das aber nicht unbedingt die einzelnen Länder. Deutschland hat beispielsweise 2016 etwa 11 % mehr Müll produziert.

Erhöhung der Zielquote als sinnvolle Maßnahme

Natürlich ist der Anstieg an Müll genau das, was die EU mit einer neuen Zielquote verhindern möchte. Diese soll von 55 % im Jahr 2025 auf 65 % im Jahr 2035 ansteigen. Einhergehend mit dieser Maßnahme soll auch die Berechnung der Recycling-Quote einheitlich geregelt werden. Zurzeit gilt in einigen Ländern bereits als recycelt, was nur gesammelt oder sortiert wird, um wiederverwertet zu werden. Geht es nach der neuen Regel, gilt nur als recycelt, was den Sortierbetrieb auch tatsächlich als Rohstoff wieder verlässt.

Natürlich gibt es auch dabei Ausnahmen von der Regel. Wenn keine Daten zur Verarbeitung vorliegen, dann gilt auch weiterhin Sortieren und Sammeln als ausreichend, um die Quote zu errechnen. Insgesamt sieht es momentan bei ganzen 18 EU-Staaten kritisch aus, was die Zielerfüllung anbelangt. Österreich hingegen hält sich auf seinem guten 2. Platz.

Abfalltrennung – ein Ziel für Jedermann

Dieser 2. Platz für Österreich kommt nicht von Ungefähr. Für etwa 85 % der Bevölkerung ist es beinah selbstverständlich, auf die Trennung des Mülls zu achten.

Recycling ist sinnvoll und wichtig, dass weiß der Großteil der Österreicher. Allerdings ist es für etwa 30 % nicht eindeutig nachvollziehbar, welcher Müll in welche Tonne kommen sollte. Dieses Wissen ist immens wichtig, denn sogenannte Sekundärrohstoffe können nur aus sortenrein gesammelten Kunststoffen entstehen. Somit landen jährlich etwa 600.000 Tonnen an Glas, Papier, Metall und Kunststoffen im Restmüll.

Umweltschutz – einfach aber effektiv

Die Abfalltrennung wird von den Österreichern als einer der wichtigsten und am leichtesten umzusetzenden Punkte gesehen, etwas für den Umweltschutz zu tun. Daher auch die hohe Beteiligung der Bevölkerung. Was jedoch Grund zum Aufmerken gibt: nur jeder 4. der unter 30-jährigen weiß genau, welcher Müll in welche Tonne muss. Bei den über 30-jährigen ist es bereits jeder 2., der sich sicher ist. Das gibt auch Experten zu denken. Gerade in der heutigen Zeit ist es sowohl aus ökonomischer, als auch aus ökologischer Sicht nicht rentabel, einfach etwas wegzuwerfen. Wird ausreichend recycelt, können daraus Sekundärrohstoffe entstehen. Das Müll auch anderweitig rentabel sein kann, zeigt sich vor allem bei Schrott.  Hierbei gibt es eine Menge an Vergleichsportalen und Anlaufstellen für Schrottpreise und deren Entwicklung.

Macht man sich einmal die Mühe und bringt diesen statt zum Müll zum Schrotthändler, dann hat man nicht nur etwas für die Umwelt getan, sondern kann damit auch noch bares Geld verdienen. Es lohnt sich also durchaus, auch bei Müll zweimal hinzusehen.

Mülltrennung muss jung werden

Verfolgt man die Aussage weiter, dass sich nur jeder 4. unter 30-jährige bei der Mülltrennung sicher ist, dann lässt sich daraus ableiten, dass viele zwar behaupten, ihnen wäre die Trennung von Müll wichtig, wenige dies aber auch wirklich umsetzen. Die Verantwortung, dies zu ändern, liegt bei den Gemeinden und der Politik. Die jungen Leute müssen besser informiert und auch sensibilisiert werden, wie wichtig die Mülltrennung ist und welche Bedeutung sie hat.

Mülltrennung – nicht nur ökologische Vorteile

Die Wichtigkeit der Mülltrennung haben die meisten erkannt. Dennoch landen die jährlich etwa 600.000 Tonnen an recycelbarem Müll im Restmüll. Das ist nicht nur schlecht für die Umwelt, es ist auch eine wahre Geldverschwendung. Bürgerinnen und Bürger der Gemeinden könnten viel mehr Geld sparen, wenn durch die Gemeinden mehr und mehr getrennter Abfall gesammelt wird. Zeigen würde sich dies in sinkenden Müllgebühren. Eine Goldgrube, wenn man konsequent dranbleibt. Das zeigt eindeutig, dass Mülltrennung und Recycling nicht nur der Umwelt zuliebe betrieben werden sollten, sondern auch aus wirtschaftlichen Aspekten. Mülltrennung schafft nicht nur ein Plus im Portemonnaie, sondern sie schafft auch Arbeitsplätze. Ebenfalls ein Punkt, den es zu beachten gibt. Altstoffsammelzentren und private Entsorgungsbetriebe brauchen mehr Mitarbeiter, wenn mehr Müll getrennt wird.

Wiederverwertbare Dekoartikel

Nicht nur bei der Trennung von Müll sind die Österreicher ein Vorbild. Sie achten bereits beim Einkauf auf Wiederverwertbarkeit und sind auch bei der Entsorgung von elektrischen Geräten auf dem Vormarsch. Wird ein altes Gerät durch ein neues ersetzt, wird das Alte in der Regel direkt fachgerecht entsorgt. Auch hier kann vielleicht bei einem Schrotthändler noch ein wenig Bargeld dafür erhalten werden. Besonders beim Kauf von Weihnachtsdekorationen wird dieser positive Ansatz sichtbar. Hier zeigt sich, dass die Aufklärungsarbeit der Gemeinden tatsächlich etwas bringt, denn gerade zur Weihnachtszeit steigt die Müllproduktion massiv an. Dass die Bevölkerung umweltbewusst denkt, zeigt sich hier nicht nur beim Einkauf von Dekorationen und dem Umgang mit entstehenden Müll, sondern auch beim Einkauf von Lebensmitteln. Es wird genau überlegt, damit so wenig wie möglich hinterher weggeschmissen werden muss. Vor allem Frauen haben daneben noch einige andere Tricks auf Lager, wie sie etwas für die Umwelt tun können und Müll vermeiden: Geschenkpapier wird beispielsweise aufgehoben und wiederverwendet oder Adventskalender einfach selber gebastelt.

Doch auch hier tauchen wieder eklatante Unterschiede in den Altersgruppen auf. Die genannte Umsichtigkeit ist für 84 % der über 50-jährigen selbstverständlich, jedoch nur für 50 % der unter 30-jährigen. Auch hier zeigt sich wieder, wie wichtig die Sensibilisierung durch die Gemeinden ist.

Grenzen der Mülltrennung

Die meisten Österreicher trennen und sortieren ihren Müll, kaufen bewusst ein, versuchen ihren Beitrag zu leisten. Obwohl viele versuchen, unnötigen Abfall zu vermeiden, hat dieses Bestreben auch seine Grenzen. So sind beispielsweise viele nicht bereit, zu Feiertagen auf fröhliches Geschenkpapier zu verzichten oder einen Weihnachtsbaum aufzustellen. Auch das Onlineshopping erfreut sich großer Beliebtheit bei allen Personengruppen. Nur etwa 16 % der in einer Studie befragten kaufen lieber bei Händlern vor Ort ihre Geschenke, da dies durch den fehlenden Versand deutlich weniger Verpackungsabfälle produziert. Hier zeigt sich: Auch Mülltrennung und Abfallproduktion haben ihre persönlichen Grenzen.

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