„Wo Wölfe jagen, wächst der Wald“

Mag. Claudia Greindl Mag. Claudia Greindl, Tips Redaktion, 24.04.2019 06:38 Uhr

WINDHAAG. Einer, der sich seit geraumer Zeit der empirischen Erforschung der großen Beutegreifer wie Luchs, Bär und Wolf widmet, ist Leonhard Pilgerstorfer. „Insbesondere befasse ich mich mit dem Wolf, dessen Rückkehr in seine ehemalige und angestammte Heimat im Spannungsfeld zwischen landwirtschaftlichen Interessen und Artenschutz steht“, sagt der Windhaager, Konsulent für Umweltfragen der OÖ Landesregierung.

Schon vor rund 20 Jahren war Pilgerstorfer belächelt und sogar verspottet worden, als er die Rückkehr erster Wölfe beobachtete. Heute zweifelt niemand mehr an deren Existenz. Pilgerstofer: „Der Wolf findet angesichts der intensiven Landwirtschaft mit Tierhaltung paradiesische Zustände vor, welche die Reproduktion seiner Art sehr begünstigen. Doch die Angst mancher Menschen vor Wölfen ist unbegründet, da den Tieren eine Scheu zu eigen ist, welche sie jeglichen Kontakt mit Menschen meiden lassen.“ Für ihn hat die Wiederansiedlung von Wölfen sowohl für den Wald als auch für den Wildtierbestand durch Entnahme schwacher und kranker Tiere positive Folgen. „Ein altes Förstersprichwort besagt: Wo der Wolf jagt, wächst der Wald.“

Verbissschäden nehmen ab

Die angesichts des Klimawandels so wichtige Durchmischung der Wälder gelingt in den vielerorts wildreichen Revieren ausschließlich dann, wenn sich Beutegreifer wie Luchs oder Wolf langfristig wieder ansiedeln können, ist Pilgerstorfer überzeugt. „Damit geht eine Regulierung und Reduktion der Schalenwildbestände einher, die für eine spürbare Senkung des Verbissdrucks sorgen.“  Das in den vergangenen Jahrzehnten aus dem Takt gekommene Ökosystem Wald (Stichwort Monokultur) habe nur dann eine Chance, seine Ursprünglichkeit wiederzuerlangen, wenn die Schalenwildbestände angepasst werden. 

Ökosystem erholt

Im Yellowstone-Nationalpark, so Pilgerstorfer weiter, habe die Wiederansiedlung von Wölfen gezeigt, dass sich ein zuvor degeneriertes Ökosystem wieder völlig erholen kann, was wiederum zur ursprünglichen Situation, zum Vorteil des gesamten Lebensraums, führte. 

Wolf jagt schwächste und kranke Tiere

Die Neo-Existenz der Beutegreifer zeige auch, dass ganz Wildtierbestände, welche zuvor durch Entnahme der kapitalsten, kräftigsten und somit gesündesten Tier, wie es beim Jagdbetrieb vorkommen kann, degenerierten, innerhalb überschaubarer Zeit wieder gesundeten. „Der Wolf mit seiner Jagdstrategie verfolgt und bewirkt exakt das Gegenteil, nämlich die Entnahme der schwachen, kranken und kümmernden Tiere“, sagt der Windhaager.

Reichhaltiger Speiseplan für Meister Isegrim & Co.

Das weitgehende Fernbleiben der Wölfe im heurigen Winter lässt sich mit der außergewöhnlichen Schneelage erklären, die das Schalenwild in tiefere Lagen drängte. Die Beutegreifer folgten dem Wild naturgemäß und fanden im weniger verschneiten Gebiet nicht nur ein größeres Beutespektrum, sondern auch günstigere Jagdbedingungen vor. „Nicht zuletzt deshalb vermag die Rückkehr von Wolf und Luchs gelingen, weil das Refugium Böhmerwald eine ausreichende RÜckzugs- und somit Versteckmöglichkeit und damit verbunden einen überaus reichhaltigen Speiseplan durch hohe und vielfältige Wildbestände bietet. 

 

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Kommentare

  1. Christian Pichler 25.04.2019 11:14 Uhr

    Der Wald braucht den Wolf - Das Vorhandensein von Wolf (idealerweise in Kombination mit Braunbär und Luchs) könnte sehr wohl zu einer Verbesserung der angespannten ökologischen Situation im österreichischen Bergwald führen. Bekanntlich gibt es ja besonders im Schutzwald und an der Waldgrenze ein akutes Problem mit dem Baumnachwuchs, der vielerorts aufgrund der sehr hohen Dichten von Rot-, Reh- und Gamswild seit Jahrzehnten ausbleibt! Die Jägerschaft hat es viele Jahre nicht geschafft, den hohen Bestand zu senken. Dass hier die Rückkehr der Beutegreifer zu einer Trendumkehr führen könnte, zeigen sowohl erste Beobachtungen zu den Auswirkungen, die das Schweizer Calanda-Wolfsrudel auf den Bergwald hat, als auch Publikationen zum Einfluss wiederangesiedelter Luchse auf den Rehwildbestand und auf das Ausmaß des Verbisses in den Wäldern von St. Gallen in der Schweiz.

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  2. Naturbeobachter 24.04.2019 18:01 Uhr

    Lieber Jäger als Wölfe - Danke Frau Andrea Seiler für die Richtigstellungen. Als Forstwirt lege ich lieber mit dem Jäger Bejagungsschwerpunkt bei Aufforstungen fest, anstatt mich auf den Wolf zu verlassen. Die Landschaft und Almen halten die Bauern mit der Weideviehhaltung offen und nicht die Rückkehr der großen Beutegreifer wie Wolf und Luchs.

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  3. Andrea Seiler 24.04.2019 11:01 Uhr

    "Wo der Wolf jagt, wächst der Wald" - Der Artikel beinhaltet einige Fehler und Irrtümer. Sachlich komplett falsch schon zu Anfang die Formulierung "intensive Landwirtschaft mit Tierhaltung". Gemeint dürfte die extensive Tierhaltung sein. Artgerechte Weidetierhaltung. Ferner waren die Wölfe vielleicht vor 20 Jahren noch scheu. Wer ein wenig von Tieren versteht, weiß, das Scheu nicht genetisch verankert ist. Scheu müssten sie lernen. An den vielen Nahbegegnungen, die es bereits in Frankreich und Deutschland gab, war es bereits zu erkennen, dass die Wölfe in x Generationen gelernt haben, dass Menschen ungefährlich sind. Die Wiederansiedlung der Wölfe war per se schon schlecht durchdacht, als man sie nicht nur nicht bejagt hat, sondern sie nicht einmal vergrämen darf. Der Unfug mit Yellowstone ist schon vor langer Zeit wissenschaftlich widerlegt worden; es ist peinlich, dass das schöne Werbefilmchen hier wie eine Tatsache als Referenz angeführt wird. Der Satz 'Wölfe jagen kranke und schwache Tiere" ist ebenfalls in dieser Form nicht korrekt. Wölfe jagen vielmehr tragende Tiere und Jungtiere. Das sind die Schwachen. Wer nun Erfahrung in der Tierzucht hat, weiß, wie katastrophal ein Überaltern der Bestände sich auswirkt. Forstleute aus Italien und Deutschland berichten schon lange, dass sie seit mehreren Jahren keine Jungtiere mehr sehen. Die Schäden im Wald gehen der Wölfe wegen auch nicht zurück. In Brandenburg ist man mit dieser Erfahrung schon weiter. Riesige Angstrudel bilden sich, die Tiere verharren verstört an den wenigen Plätzen, wo sie noch zur Ruhe kommen, und dort ist dann logischerweise jeder Baum beschädigt. "Die Rückkehr ... kann gelingen" - das Experiment wird gerade an die Wand gefahren. Ein Blick über Ländergrenzen hätte genügt, um zu wissen, dass es in keinem Land der Welt eine Koexistenz mit den Großraubtieren gibt. In Italien geht man von jährlich 300 illegal geschossenen oder vergifteten Wölfen aus. Frankreich 2018 über zwölftausend gerissene Schafe, Pferde, Rinder... und getötete Herdenschutzhunde. In Schweden haben es sogar die Naturschutzverbände begriffen, dass dort, wo die Weidetierhaltung aufgegeben wurde der Wölfe wegen aufgegeben wird, ein massiver Artenverlust entsteht. Schade drum.

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