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Oberst des Abwehramts: Alles und jeder wird gläsern

Leserartikel Werner Pelz, 07.02.2016 23:55

St. PÖLTEN. „Es ist für mich immer wieder erstaunlich, wie locker und ungeschützt manche Menschen im Internet unterwegs sind“, meint Oberst Walter Unger vom Inlandsnachrichtendienst des Bundesheeres jüngst in einem Gespräch in der NÖ-Landeshauptstadt mit Tips St. Pölten.  „Es kann sehr unangenehm werden, wenn der eigenen Rechner von Cyberkriminellen attackiert wird. Man wird damit nicht nur zum Opfer sondern unbewusst auch nicht selten zum Täter. Etwa dann, wenn der befallene Rechner benutzt wird, um andere Ziele zu attackieren“, führt der Leiter der Abteilung Cyber Defence im Abwehramt aus.

Der Chef der Cyber Defence-Abteilung des Abwehramts des Bundesheeres warnt Private und Firmen vor leichtfertigem Umgang mit Daten. Foto: Bundesheer
Der Chef der Cyber Defence-Abteilung des Abwehramts des Bundesheeres warnt Private und Firmen vor leichtfertigem Umgang mit Daten. Foto: Bundesheer

Oft käme es bei Angriffen im Internet zur Arbeitsteilung hochspezialisierter Cyber-Krimineller. Während die einen Schwachstellen an Rechnern ausspähen, würden andere Täter dort in das System eindringen und ein Schadprogramm installieren. Oft merke man das gar nicht.

Auf Sicherheit bedacht nehmen

Unger empfiehlt zumindest 20 bis 30 Euro in digitale Schutzprogramme zu investieren aber nach der Anschaffung diese auch regelmäßig zu aktualisieren. Wer auf Nummer Sicher gehen will, sollte zwei Computer verwenden. „Mit einem geht man ins Internet, mit dem anderen arbeitet man offline“. Rechner, die nicht im Internet sind, könnten in der Regel auch nicht angegriffen werden.

Eindringling oft unbemerkt

Wirtschaftsunternehmen müssten „natürlich mehr für deren Sicherheit tun“. Denn: „Fast jedes Unternehmen ist Ziel von Angriffen. Oft wird der Eindringling nicht oder viel zu spät bemerkt. Dann ist meist schon erheblicher Schaden entstanden“. Große Firmen würden sich natürlich leichter tun, da sie mehr Geld in den Schutz vor Cyberangriffen investieren. Die Wirtschaftsspionage steige massiv. Sie gehe nicht nur von Unternehmen aus, sondern werde teilweise auch von Staaten und Geheimdiensten massiv betrieben, so der Offizier.

2 Millionen Schadprogramme

Besonders angreifbar seien öffentlich WLANs. „Dort kann schon jeder bessere Schüler eindringen. Es sollte einem klar sein, dass man angreifbar ist, wenn man mit einem Tablet, einem mobilen Rechner, einem Mobil-Telefon oder sogar über eine Fitness-Watch im öffentlichen WLAN hängt“, warnt Unger. Derzeit seien über zwei Millionen Schadprogramme weltweit im Umlauf. „Und jeden Tag kommen neue dazu“.

Jede 40. Website verseucht

Untersuchungen ergaben, dass auch „jede 40. Website im Internet verseucht sein kann. Man klickt auf einen Banner oder eine Schaltfläche und ist schon betroffen“. Kriminelle nutzen Programmierfehler aus und hinterlegten Schadprogramme. Auch würden immer häufiger seriöse Homepages nachgebaut, etwa von Banken. Ein Laie bemerke das natürlich gar nicht oder erst zu spät nachdem er Kriminellen auf den Leim gegangen wäre.

Firmen, die Geheimnisträger sind, müssten ihre Daten besonders genau schützen, das sei von der EU vorgeschrieben.

Selbstbestimmtheit erhalten

Bedenklich stimmt den Militär, „dass alles und jeder gläsern wird“. „Wenn die Technologie fortschreitet, müsse mit der Sicherheitstechnologie nachgerüstet werden. Aber vor allem müsse man lernen „mit den eigenne Daten vorsichtiger umzugehen“. Wichtig sei vor allem auch, dass jeder wählen können sollte, ober gläsern oder nicht gläsern sein will. Es sollte jedem möglich sein, „seine Selbstbestimmtheit hinsichtlich Datenpreisgabe zu erhalten“. Persönliche Daten seien heute Goldes wert. „Mit allen SChmähs werden sie den Kunden entlockt und damit Geschäfte gemacht“.

Kooperation im In- und Ausland

Innerhalb Österreichs kooperiert die Cyber-Abwehr des Bundesheeres mit großen Firmen, Institutionen und Körperschaften in eigenen Verbänden gegen Cyber-Kriminalität. International wird eng mit den unmittelbaren Nachbarn wie Deutschland und der Schweiz zusammengearbeitet, aber „natürlich auch mit den EU-Staaten“.  Mit Russland weniger, mit den USA nur, insoweit man Technologie wie Software oder entsprechende Geräte einkaufe. Da sei oft die Schulung am günstigsten. In allen Fällen aber nur anlassbezogen.

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