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Amstettner Verein Leila feiert zehnten Geburtstag

Michaela Aichinger, 24.02.2025 09:58

AMSTETTEN. Seit zehn Jahren stehen Lernpaten des Vereins Leila Flüchtlingskindern oder Kindern mit nicht deutscher Muttersprache als Mentoren zur Seite. Das Besondere: Es handelt sich hier um kein reines Nachhilfeprogramm, sondern um echte Begegnung. Tips bat Leila-Obfrau Monika Distelberger zum Gespräch.

Zum zehnjährigen Jubiläum gestaltete der Verein Leila eine berührende Feier im Rathaussaal Amstetten. (Foto: Patrick Haslinger)
Zum zehnjährigen Jubiläum gestaltete der Verein Leila eine berührende Feier im Rathaussaal Amstetten. (Foto: Patrick Haslinger)

Tips:Monika, wie ist es zur Gründung von Leila gekommen? Wie viele Lernpaten haben sich in den vergangenen zehn Jahren bei Leila engagiert, wie viele Kinder wurden begleitet?

Monika Distelberger: Na ja, ich hatte einen Traum und ich habe diesen Traum heute noch! Tatsache ist ja, dass wir nur dann wirklich reich sind, wenn wahre Begegnung stattfindet. Und das ist bei Leila der Fall. Vor zehn Jahren habe ich gemeinsam mit Gerhard Steinkellner die Idee für Leila gehabt und ein Konzept erarbeitet. Unterstützung habe ich bei der Herz Jesu Pfarre erhalten, bei der Stadtgemeinde, bei der jetzigen Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ), bei der Integrationsstelle des Landes Niederösterreich und bei der Sparkassen-Stiftung. Das Herz von Leila sind aber die Lernpaten. Im Februar 2015 sind wir mit 21 Lernpaten gestartet. In den vergangenen zehn Jahren haben insgesamt 137 ehrenamtliche Paten bei Leila 190 Kinder begleitet. Das ergab mehr als 20.000 ehrenamtliche Lernstunden. Im vergangenen Schuljahr sind 36 Lernpaten 45 Kindern zur Seite gestanden.

Tips:Was waren für dich Höhepunkte in den vergangenen zehn Jahren mit Leila?

Distelberger: Höhepunkte waren auf der einen Seite die Auszeichnungen: Wir haben beispielsweise 2019 den Integrationspreis des Landes Niederösterreich erhalten oder 2023 den zweiten Platz bei der „Leopold“-Verleihung der Niederösterreichischen Nachrichten. Die wahren Höhepunkte haben sich aber in der Arbeit ergeben: Dort, wo gutes Leben spürbar wird – etwa bei kreativen Workshops, Begegnungen, Festen oder gemeinsamen Unternehmungen. Mein persönliches Highlight war die Bezwingung des Ötschers mit unseren großen Kindern und Jugendlichen.

Tips:Wie ist die aktuelle Lage? Wie hoch ist die Nachfrage nach Lernpatenschaft? Wie viele Lernpaten gibt es aktuell?

Distelberger: Zurzeit treffen sich 27 ehrenamtliche Lernpaten mit ihren Schützlingen. Leider haben wir immer lange Wartelisten, da sich unser Angebot durch Mundpropaganda weit herumspricht. Außerdem begleiten die Lernpaten „ihr Kind“ oft mehrere Jahre, sodass nur wenige Plätze neu hinzukommen.

Tips:Welche Pläne gibt es in nächster Zukunft?

Distelberger: Die meiste Energie wird dahin gehen, dass die Kinder alle das Schuljahr möglichst gut abschließen. Das ist unsere Kernaufgabe. In diesem Zusammenhang wäre es natürlich wunderbar, wenn ein paar neue Lernpaten hinzukommen, damit mehr Kinder eine Chance auf eine besser Zukunft erhalten. Für die Mütter wird es wieder Elternabende geben, der Schwerpunkt wird auf szenischem Spiel liegen, um die Sprachkenntnisse spielerisch auszubauen. Im Juni beteiligen wir uns gemeinsam mit dem Verein „g'scheckat“ und dem Genussbauernhof Distelberger am NÖ Viertelfestival. Die Filmemacherin und Künstlerin Teresa Distelberger hat ein Spiel „About home“ entwickelt, das wir mit möglichst vielen Teilnehmerinnen spielen möchten. Und im Sommer gibt es wieder ein Sommerfest und einen tollen Ausflug mit den Kindern.

Tips:Das klingt nach einem tollen Programm! Was ist für dich das Besondere an Leila? Was spornt dich an, dich für Leila einzusetzen?

Distelberger: Für mich sind zwei Aspekte wichtig: Wir bauen Brücken und schaffen Verbindungen – zwischen Generationen, zwischen Menschen mit unterschiedlicher Herkunft, zwischen denen, die Hilfe brauchen und denen, die bereit sind zu helfen. Unsere Arbeit soll zum Kennenlernen der verschiedenen Kulturen beitragen, Angst und Unsicherheit abbauen und so ein gelingendes Miteinander fördern. Wie schön es ist, Verbindendes zu entdecken und neue Freundschaften zu knüpfen, dürfen wir immer wieder erfahren.

Der zweite Aspekt betrifft die Kinder: Es geht darum, ihnen eine Brücke in eine gelingende Zukunft zu bauen. Unsere Lernpaten sind das beste Beispiel dafür. Sie begleiten die Kinder nicht nur beim Lernen, sondern geben ihnen etwas noch Wichtigeres: Vertrauen, Ermutigung und Zuversicht. Sie zeigen ihnen, dass sie wertvoll sind, dass sie es schaffen können und dass niemand allein ist. Diese Momente, in denen ein Kind plötzlich begreift, dass es stark ist und seine Träume verwirklichen kann – das sind die wahren Wunder unserer Arbeit.

Verein LeilaDer Verein bietet auf ehrenamtlicher Basis Lernunterstützung für Flüchtlingskinder und andere Kinder mit nicht deutscher Muttersprache im Volksschulalter an. Lernpaten treffen sich einmal pro Woche mit einem Kind im Herz Jesu-Pfarrheim, um es bei der Bewältigung der schulischen Herausforderungen und beim Erlernen der deutschen Sprache zu unterstützen.
Informationen bei Monika Distelberger:
Tel. 0650 3049900
www.leila-amstetten.com

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