Jugendredaktion. PARIS. Irgendwo in der Ferne ist immer eine Sirene zu hören. Wenn ich morgens das Fenster öffne, dringt der Lärm fast greifbar in mein Zimmer. Die Metro ist randvoll mit gestressten Menschen. Der Himmel ist grau. Der Eiffelturm beleuchtet. Ich höre Musik und will die Straße überqueren. Vergesse dabei beinahe, dass es die Pariser Autofahrer recht wenig kümmert, die Regeln des Straßenverkehres zu befolgen und springe zurück auf den sicheren Gehsteig, als mir dreister Weise der Weg versperrt wird. Etwa drei Monate habe ich bereits in der Stadt der Liebe verbracht und so kitschig es auch klingen mag, die Zeit in Frankreich ist ein Märchentraum wie Disneyland.

„Ja und was genau machst du jetzt eigentlich in Paris?“ Innerlich verdrehe ich die Augen, als mir zum gefühlt 100. Mal diese Frage gestellt wird. Ich mache einen EFD, also einen europäischen freiwilligen Dienst. „Ach so und was ist das?“ Wenn man bedenkt, dass ich selbst vor einem Jahr auch noch nicht von der Existenz dieses Erasmus+ Projektes wusste, bin ich schon jedes Mal dramatisch überrascht, zu bemerken, wie wenige Leute von dieser Gelegenheit, ins Ausland zu gehen wissen. Während so einem Freiwilligendienst haben junge Europäer/innen die Aufgabe sich für eine befristete Zeit in einem gemeinnützigen Projekt in einem EU Land zu engagieren. In meinem Fall heißt das, in einem Jugendinformationszentrum zu arbeiten und andere junge Erwachsene, über ihre Möglichkeiten selbst einen Aufenthalt in der Ferne zu machen, aufzuklären. Messen, Workshops und Englisch Kurse, für die stereotypisch stur ihre Landessprache verwendenden Franzosen inklusive.
Und warum?
Was den Meisten gleich in den Kopf schießt, ist natürlich die Möglichkeit eine Fremdsprache zu erlernen bzw. zu verbessern. Klar, auch mein Französisch ist mittlerweile nicht mehr ein Haufen wahllos zusammengewürfelter Vokabeln und ich bin nicht mehr komplett verloren, beim Versuch einer Konversation zu folgen, aber, und jetzt kommt der wirklich interessante Teil, angefangen von den Reise- und Transportkosten, über die Verpflegung und die Unterkunft, bis hin zu einem kleinen Taschengeld, wird ausnahmslos alles von der EU gefördert und finanziert. Da bekommen dann auch die hartnäckigsten Skeptiker ganz große Augen.
Klischees, Kultur und Küsschen
Man nehme ein in Baguette unter den Arm, einen dünnen, fein säuberlich gezwirbelten Schnauzbart und ein Barrett auf dem Kopf, und schon hat man ein Prachtexemplar eines Franzosen. Ein Mensch, der zu diese Beschreibung passt, ist mir jedoch noch nie begegnet. Leute mit einem Baguette in den Händen dafür aber schon genug.
Zu jeder Mahlzeit gibt es Käse und öfter als man erwartet wird Rotwein ausgeschenkt. Englisch wird nicht gerne gesprochen und man küsst sich links und rechts, aber bitte keine Umarmungen, das gilt als zu intimer Kontakt.
Auch die Kultur des jeweiligen EU Landes, in dem man seinen Einsatz verbringt wird einem unausweichlich nähergebracht. Eine gewisse Anpassungsfähigkeit ist also gefragt. Weißbrot, Camembert und ein Achterl hie und da, da braucht es nicht viel Überwindung. An das ständige Abbusseln werde ich mich aber zweifelsohne nur schwer gewöhnen.
Der Weg ist das Ziel
Gibt es die gelegentlich wehmütigen Gedanken an zu Hause? Natürlich. Aber Zeit dafür sich langwierig damit zu beschäftigen bleibt nie. Es gibt immer neue Cafés um die Ecke, immer neue Ausstellungen, immer neue Projekte, immer neue Ausflugsziele und kaum ein Wimpernschlag vergeht und es ist wieder eine Woche vorüber. Die Aussage „Genieße die Zeit so gut du kannst, denn es geht so schnell vorbei!“, habe ich nicht umsonst oft zu hören bekommen. Das Ziel ist es nicht den Aufenthalt durchzuhalten, um dann endlich wieder nach Hause zurück zu können, sondern vielmehr jeden Moment wertzuschätzen und auszunutzen, um den Weg selbst zum Ziel zu machen.
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