Das sollten Haustier-Besitzer rund um Silvester beachten
STEINBACH AM ZIEHBERG. Wenn es zu Silvester kracht und knallt, haben Tiere Angst. Doris Hofner-Foltin, Tierheimleiterin im Tierparadies Schabenreith in Steinbach am Ziehberg, spricht im Interview mit Tips über das Verhalten der Tiere, welche Vorbereitungen Haustier-Besitzer treffen sollten und wie sie ihr Tier beruhigen können.

Tips: Was bedeutet der Lärm zu Silvester für Tiere? Wie reagieren Sie darauf?
Doris Hofner-Foltin: Hunde, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen und andere Nagetiere verkriechen sich aus Furcht und Stress. Zittern, Hecheln, geweitete Pupillen, zwischen den Beinen eingeklemmter Schwanz, Appetitlosigkeit und Unruhe zählen zu typischen Anzeichen für Angst. Vögel flattern und geraten in Panik. Uns fällt auf, dass auch auf Bauernhöfen Raketen abgefeuert werden und Tiere wie Kühe, Pferde, Schweine und Hühner sehr unter diesem Lärm leiden. Da sie eingesperrt sind, können sie nicht flüchten. Nicht nur für Haustiere, sondern auch für Wildtiere bedeutet die Silvesterknallerei unheimlich viel Stress und Angst. Hunde, Katzen, Kaninchen und viele Wildtiere hören Geräusche sehr viel lauter und deutlicher als Menschen, was leicht zu einem akustischen Trauma führen kann.
Tips: Was sollte man als Haustier-Besitzer anlässlich des Lärmes rund um Silvester beachten?
Hofner-Foltin: Hunde und Katzen nicht nach draußen in den Garten lassen, sie sollten rund um Silvester unbedingt im Haus bleiben. Hunde beim Gassigehen an den Tagen rund um den Jahreswechsel immer an die Leine nehmen, da sie durch abgefeuerte Raketen erschrecken können, aus Angst davonlaufen und sich an den unmöglichsten Orten verkriechen oder auch in Panik auf befahrene Straßen laufen – dasselbe gilt für Katzen. Plötzliche Knallgeräusche in Kombination mit Lautstärke und Frequenz werden von Vierbeinern als Gefahr wahrgenommen. Zudem ist zu beachten, dass die Reaktion auf Silvesterlärm jedes Jahr sehr unterschiedlich ausfallen kann. Nur weil das Haustier im vergangenen Jahr entspannt war, muss es dieses Jahr nicht auch so sein.
Tips: Welche Vorbereitungen sind zu treffen?
Hofner-Foltin: Mit dem Hund tagsüber an möglichst ruhigen Orten angeleint Gassigehen und dabei auf Müll, Blindgänger, Scherben achten. Spätestens bei Anbruch der Dunkelheit gemeinsam wieder ins Haus zurückkehren. Freigängerkatzen am besten schon einen Tag vor Silvester ins Haus holen. Türen, Vorhänge und Jalousien frühzeitig schließen und für eine normale Geräuschkulisse mit Musik – leichte klassische Musik entspannt – und Gesprächen sowie Beleuchtung sorgen. Das vermittelt dem Tier Sicherheit. Für Hunde eigenen sich Kauknochen oder gefüllte Snackbälle, damit sie beschäftigt und abgelenkt sind.
Tips: Sollte das Haustier in Angst geraten, wie beruhige ich es?
Hofner-Foltin: Haustiere sollten keinesfalls alleine zu Hause gelassen oder weg gesperrt werden. Besonders zwischen 23 und 1 Uhr früh sollte man dem Tier beistehen, oder gleich die Silvesterparty ohne Knallerei zu Hause veranstalten. Abgesehen davon, dass Feuerwerk einen Schock für Tiere und Umwelt darstellt, lässt sich das Geld sinnvoller anlegen, zum Beispiel als Spende für soziale Einrichtungen oder Tierheime. Sucht das Haustier die menschliche Nähe oder einen Rückzugsort – egal wo – bitte unbedingt zulassen. Vierbeiner suchen die Nähe und Sicherheit ihrer Bezugspersonen, um sich zu entspannen. Am besten strahlt man selbst Ruhe und Gelassenheit aus und sorgt für eine normale Geräuschkulisse. Feuerwerkslärm kann mit eingeschaltetem Fernseher, Radio und vertrauten Geräuschen übertönt beziehungsweise abgemildert werden, aber bitte nicht mit der Lautstärke übertreiben. Für Kaninchen, Meerschweinchen und Vögel gilt: Die Tiere beim ärgsten Lärm in Extraräume ohne Fenster bringen und für Lärmschutz sorgen, sowie keinesfalls alleine lassen. „Zylkene“-Tabletten mit beruhigender Wirkung für Hund und Katze können ebenfalls bei der Entspannung helfen, an Silvester ist jedoch eine höhere Dosierung notwendig. Bitte lassen Sie sich von einem Tierarzt beraten. Ebenso bietet sich zum Jahreswechsel ein Urlaub an ruhigen Orten an, an denen das Abfeuern von Feuerwerkskörpern verboten ist, zum Beispiel in einem Naturschutzgebiet.
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