Samstag 5. April 2025
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LINZ/OÖ. Agrar-Landesrätin Michaela Langer-Weninger und Referatsleiterin Elisabeth Lanzer vom Bienenzentrum OÖ im Gespräch mit Tips über die Notwendigkeit, sich gegenseitig zu unterstützen.

Interview Langer, Weninger, Lanzer (Foto: Land OÖ / Stinglmayr)
Interview Langer, Weninger, Lanzer (Foto: Land OÖ / Stinglmayr)

Tips: Es kursiert das Vorurteil, die Landwirtschaft sei für das Insektensterben verantwortlich?

Michaela Langer-Weninger: In den letzten 30 Jahren sieht man laut Studien, dass die Insektenpopulation stabil geblieben ist – mit regionalen Unterschieden. Die Landwirtschaft kann sicher nicht alleine verantwortlich gemacht werden für Dinge, die aufgrund von Klimaveränderung und auch aufgrund von gesellschaftlichen Veränderungen passieren. Wir haben Interesse, eine hohe Artenvielfalt und Diversität auf unseren Flächen zu haben. Es braucht aber das Verständnis in der Gesellschaft, denn wir können alle einen Beitrag zur Artenvielfalt leisten.

Tips: Hat die ländliche Bevölkerung mehr Verständnis für die Landwirte als die städtische?

Langer-Weninger: Je näher man dran ist, umso mehr sieht man von der täglichen Arbeit. Aber insgesamt sehen wir schon, dass wir in allen Bereichen Bewusstseinsbildung brauchen und unsere Höfe noch mehr aufmachen müssen, um wirklich herzuzeigen, was wir machen. Dass wir es gut machen, dass wir es nachhaltig machen und dass wir den Schulterschluss zum Konsumenten suchen, denn wir wollen unsere Produkte am Ende verkaufen. Mit einem guten Gewissen unsererseits, aber auch mit einem guten Gewissen und einer Wertschätzung, die uns der Konsument entgegenbringt. Dazu haben wir viele Initiativen gegründet, sei es das Genussland OÖ, das ganz speziell auf unsere regionale Vermarktung ausgerichtet ist, aber auch die vielen Initiativen von Seminarbäuerinnen über Schule am Bauernhof. Ende September starten wir mit der Jungbauernschaft eine große Offensive: den Open Bauernhof, wo viele Höfe geöffnet werden und jeder einfach hingehen kann.

Tips: Landwirte arbeiten oft noch abends auf den Feldern, manche Anrainer fühlen sich belästigt. Was steckt dahinter?

Langer-Weninger: Manche Wirkstoffe können bei direkter Sonneneinstrahlung nicht ausgebracht werden. Ein weiterer Grund sind die Bienen – die sind abends nicht mehr am Feld.

Elisabeth Lanzer: Die Wirkstoffe trocknen über Nacht ab und in der Früh kommt der frische Nektar nach. Für die Insekten ist es daher von Vorteil, wenn zu späterer Stunde ausgebracht wird.

Tips: Das Bienenzentrum OÖ gilt als Drehscheibe für Bienen und Biodiversität. Welche Schwerpunkte werden heuer noch gesetzt?

Lanzer:  Im zweiten Halbjahr wird sicher die Blühpatenschaft noch einmal kommen. Wir werden auch Unternehmen empfehlen, sie an Kunden oder Mitarbeiter zu verschenken. Die Blühpatenschaft geht über das ganze Jahr und jeder hat die Möglichkeit, seinen Beitrag zu leisten. Im Frühjahr wird dann wieder die Blühstreifenaktion kommen.

Tips: Zum besseren gegenseitigen Verständnis wurden Stammtische mit Imkern und Landwirten ins Leben gerufen. Wie geht es damit weiter?

Langer-Weninger: Wir werden diese Stammtische auf alle Fälle weiterführen. Wir konnten Vorurteile aufklären, aber vor allem ins Gespräch kommen. Das ist ein wesentlicher Faktor, denn wir brauchen uns gegenseitig. Die Landwirtschaft braucht die Bestäubungsleistung der Bienen und die Imkereien die Kulturen, Obstbäume und Früchte am Feld. Über die Stammtische haben wir gesehen, dass, wenn man miteinander redet und für den anderen Verständnis aufbringt, wir gemeinsam vorwärts kommen.

Tips: Das Monitoring von Wildbienen und Insekten ist ein weiterer Aufgabenbereich des Bienenzentrums. Was passiert hier?

Lanzer: Das Wildbienenmonitoring findet in St. Florian auf den Schauversuchsflächen statt. Dort hat man gesehen, dass es eine hohe Anzahl an Wildbienen gibt. Heuer wurde es erweitert und wir stellen den Wildbienen auch Lebensgrundlage in Form von Nisthilfen zur Verfügung. Man muss kein aufwändiges Insektenhotel kaufen. Es reicht schon, wenn man offene Bodenstellen oder Nisthügel hat.

Tips: Was kann jeder Einzelne zum Schutz der Bienen beitragen?

Lanzer: Sowohl für die Honigbienen als auch für die Wildbienen gibt es Möglichkeiten für den Hausgarten, den Balkon oder die Terrasse. Hier geht es nicht nur um Nahrungsgrundlage, sondern gerade bei den Wildbienen auch um die Lebensgrundlage. Informieren kann man sich bei uns im Bienenzentrum OÖ und wir haben verschiedene Ansprechpartner bei den Saatgutfirmen. Auch bei den oberösterreichischen Gärtnern kann man sich erkundigen.


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