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Manuel Horeth: "Jeder Mensch hat mentale Stärke in sich, manche nützen sie etwas mehr"

Tips Logo Karin Seyringer, 10.04.2024 18:47

OÖ. Manuel Horeth ist Mentalexperte und Mentaltrainer, auch von vielen erfolgreichen Sportlern. Aktuell mit er mit seiner Bühnenshow „Mentale Stärke für Österreich“ in Oberösterreich unterwegs. Tips hat sich mit Horeth über mentale Stärke und Tipps und Tricks, die jeder im Alltag anwenden kann, unterhalten.

Mentalexperte Manuel Horeth (Foto: Francois Maritz)
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Tips: Sie beschäftigen sich schon sehr lange mit dem Thema, zählen zu den führenden Mentalexperten, arbeiten viel mit prominenten Sportlern. Was sind die Ursprünge?

Horeth: Ich war in einem Sportgymnasium. Wir hatten damals schon statt Latein Sportunterricht und sind Skirennen gefahren. Da hast du schon die erste Berührung mit Wettkampf-Vorbereitung und es hat mich total fasziniert. So hatte ich den ersten Kontakt mit mentaler Vorbereitung schon als Schüler.

Tips: Sie sind auch als Mentalist bekannt, Stichwort: Illusion, Zauberei.

Horeth: Es ist psychologische Zauberei. Eigentlich Psychotricks. Der Mentalist ist für mich aber Vergangenheit.

Tips: Sie haben sich weiterentwickelt?

Horeth: Ja, deswegen, weil ich Reini Herbst vor 15 Jahren kennengelernt habe. Er war bei einer meiner Shows und hat mich gefragt, ob ich machen kann, dass er schneller Skifahren kann. Ich habe gelacht – aber die Antwort war: Probieren wir es! Es hat mich selbst so fasziniert, dass man viele mentale Techniken, die ich auf der Bühne verwendet habe, im Spitzensport einsetzen kann. Ich habe auch viele Ausbildungen dazu gemacht – so hat es sich ergeben, dass ich angefangen habe, mit Spitzensportlern zu arbeiten und für sie Motivationsprogramme erstellte, mit Schwerpunkt: Wie komme ich weg vom Stress? Wie kann ich mich auf einen Wettkampf vorbereiten? Die Erfahrung aus meinen Shows, auch die Erfahrung bei Sport-Mannschaften – so hat sich Schritt für Schritt mein Wissen aufgebaut – und ich habe gemerkt: Das liegt mir super. Dazu Präsentation, ich stehe gerne auf der Bühne – und so ist die „Mentale Stärke“-Show entstanden.

Tips: Warum Show?

Horeth: Eine Show ist es deswegen, weil es die beste Möglichkeit ist, jemanden zu faszinieren. Du kannst gleich zeigen, wie es geht – zum Beispiel, dass man in zehn Minuten extrem relaxed sein kann, oder sogar in 60 Sekunden einschlafen kann. Ich frage: Wer von euch kann nicht schlafen? Jemand möchte bei dem Experiment kurz mitmachen – in 60 Sekunden schläft die Person. Plötzlich weiß sie: so muss ich tun, so geht es, und zwar vor 500 Zuschauern.

Tips: Sie vermitteln aber nicht nur Wissen, es gibt auch viel zu lachen.

Horeth: Die Leute wissen nicht genau, was sie eigentlich erwartet und gehen aber mit einem gewissen Strahlen raus. Es gibt so viele Aha-Momente. Ja, Lachen ist wichtig, ist eine wesentliche mentale Technik, um optimistischer zu sein. Und ich habe mir gedacht, in meine Show muss viel Humor rein. Man merkt es sich dann auch leichter. Daher: Es ist kein trockener Vortrag, es gibt viel Information, aber es ist auch viel Show dabei. Die Besucher nehmen hoffentlich langfristig etwas mit. Und wenn es nur eine Sache ist, in den Alltag integriert – ist es schon genug.

Tips: Wir sind in einer Zeit, die immer schnelllebiger wird, nicht nur der Arbeits-, auch der berühmte Freizeitstress. Hat Österreich mentale Stärke nötig?

Horeth: Ich glaube, dass wirklich jeder Mensch mentale Stärke in sich hat. Manche nützen sie etwas mehr. Ich glaube, wir haben es nötig, sie zu nutzen. Vielleicht manchmal etwas angestoßen zu werden, positiven zu denken. Zumindest am Abend zu sagen: Was war denn heute gut an diesem Tag? Wie es auch der Sportler macht: Der geht nicht zum Wettkampf und sagt: Ski passen nicht, Schnee passt nicht, Wetter passt nicht – heute verliere ich sowieso. Der Sportler, der erfolgreiche Skifahrer als Beispiel, fährt ja niemals als Sieger ins Ziel, der fährt schon als Sieger weg. Diese Voreinstellung, wie ich in einen Moment reingehe, kann ich selber beeinflussen.

Tips: Es schlummert in uns, muss nur geweckt werden?

Horeth: Genau. Was aber nicht heißt, dass sich jeder dafür faszinieren lassen muss. 50 Prozent ist auch der Glaube und das Vertrauen. Wenn ich sage: 'das geht bei mir nicht', dann wird es nicht gehen. Ich glaube aber, dass jeder – auch nur ein Häppchen – nutzen kann. Es geht um fünf Themen: Entspannung, Selbstvertrauen, Konzentration, positives Denken und Motivation. Das alles gemeinsam ergibt eine gewisse Art von mentaler Stärke. Wie man das im Alltag verwendet, wie ich es in Stresssituationen beruflich brauchen kann, wenn ich am Abend nach Hause komme und nicht abschalten kann, oder wenn ich einen wichtigen Moment habe, aber ich bin nervös – leichte kleine Dinge können das erleichtern.

Tips: Geben Sie uns Beispiele. Was kann man im Alltag, so nebenbei, nutzen?

Horeth: Einfache Dinge, die aber super wirken. Viele Emotionen, die wir tagtäglich haben, werden über Musik gesteuert. Aktueller Trend im Sport ist, sehr viel mit Musik zu arbeiten – nicht nur im Motivations-, auch im Selbstvertrauens- und Entspannungsbereich. Als Beispiel: Man kann messen – wenn man sich darauf einlässt – wie das Lied 'River Flows in You' des koreanischen Pianisten Yiruma in ein, zwei Minuten den Puls reduzieren kann. Deswegen, weil viele entspannt auf Klaviermusik reagieren und gerade dieses Lied so komponiert ist – sagt die Forschung – dass unser Gehirn weiß, wie es weitergeht.

Musik versetzt uns in Stimmungen – wenn ich das weiß: Welche Musik bringt mich am schnellsten runter – und ich habe die vor einem wichtigen Moment parat und kann einfach kurz eine Minute reinhören – dann gehe ich mit einem ganz anderen Gefühl in diesen Moment hinein. Es gibt dazu auch ein zusammengestelltes Album von mir - wer das aber nicht mag, macht sich einfach seine eigene Entspannungs-Playlist. Es geht auch um Konditionierung. Ich höre einen Titel, Gehirn sagt: Entspannen. In Wirklichkeit sind es ganz einfache Sachen.

Atemtechnik funktioniert ebenfalls super. Die Bauchatmung funktioniert nicht nur, weil ich atme, sondern weil das in unserm Gehirn mit einer Ruhevorstellung gekoppelt ist. Wenn man das weiß und sagt: Ich nehme mir eine Minute Zeit, bevor ich etwas Wichtiges entscheiden muss …  – im Stress treffe ich völlig andere Entscheidungen als wenn ich entspannt bin.

Tips: Das berühmte Durchschnaufen … Haben Sie selbst ein Ritual, bevor Sie auf die Bühne gehen?

Horeth: Ja, habe ich wirklich. 60 bis 70 Prozent aller Emotionen werden durch Düfte gesteuert. Es gibt die optischen/akustischen Typen. Aber es gibt auch die olfaktorischen Typen – die Geruchstypen. Ich habe ein Parfum, das benütze ich nur für Auftritte. Wenn ich mir das raufgebe, weiß ich: Jetzt ist der Auftritt – und jetzt bin ich bereit. Vorher kann ich noch so müde sein, noch so geschlaucht. Das ist, wie wenn ich irgendwo vorbeigehe und es riecht wie damals beim Apfelstrudel von der Oma - dann erinnert mich das sofort an die Oma. Und mein Parfum sagt mir: Jetzt ist Showtime.

Tips: Inwieweit kann mentale Stärke Gesundheit beeinflussen?

Horeth: Ich bin kein Mediziner – kann nur aus vielen Studien zitieren, und kann sagen: Dass wir grundsätzlich mit mentaler Stärke im Bereich Optimismus sogar nachweislich länger leben. Das heißt, es beeinflusst Körperfunktionen. Ich kann auch meine Gesundheit beeinflussen, indem ich mir heute vorstelle, wie der ganze nächste Monat schiefgeht. Wenn ich mir das vorstelle, kann es sein, dass ich Bauchweh krieg, dass ich Probleme mit dem Darm bekomme, nervös werde und auch noch einen erhöhten Puls bekomme. Ich kann Stress auch im Kopf auslösen. Und dauerhafter Stress ist nachweislich nicht gut für unsere Gesundheit. Mentale Stärke kann uns definitiv guttun.

Tips: Sie meinten bereits, dass sich nicht jeder faszinieren lässt, auch Glauben und Vertrauen spielt eine Rolle.

Horeth: Meine Hauptbotschaft ist, dass mentale Stärke kein esoterischer Hokuspokus ist, sondern dass sie eine Fähigkeit von uns ist, die wir einsetzen können wie viele andere Dinge auch. Und dass es etwa modernes, buntes, lockeres ist und Spaß machen kann.

Manuel Horeth - „Mentale Stärke für Österreich“

Kommende Termine:

  • Samstag, 13. April, 19.30 Uhr, Steyr, Altes Theater
  • Samstag, 20. April, 19.30 Uhr, Weyregg, Pfarr- und Gemeindezentrum
  • Samstag, 27. April, 20 Uhr, Oberneukirchen, Kultur-Werkstatt-Schnopfhagen
  • Mittwoch, 4. September, 19.30 Uhr, Rosengarten am Pöstlingberg

Tickets gibt's auf Ö-Ticket.


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