Großes Finanzloch: LIVA braucht 1,5 Millionen Euro Sonderzuschuss
LINZ. Das Brucknerhaus und die LIVA kommen nicht zur Ruhe. Für Freitagvormittag wurden Prüfungsausschuss, Aufsichtsrat und Generalversammlung der LIVA einberufen. Thema: Ein Riesenloch bei den Finanzen der Linzer Veranstaltungsgesellschaft. Die LIVA braucht, weil der Fortbestand gefährdet sei, einen Sonderzuschuss von etwa 1,5 Millionen Euro.

„Die Turbulenzen des Vorjahres haben auch finanziell gravierende Spuren hinterlassen. Dazu hat heute der Aufsichtsratsvorsitzende Meinhard Lukas den Gremien am Freitag einen kritischen Bericht vorgelegt. Darin werden erhebliche Defizite in den Strukturen und Prozessen des Personal- und Finanzwesens der LIVA aufgezeigt“, teilt die Linzer Veranstaltungsgesellschaft mbH (LIVA) am Freitag mit.
Die LIVA umfasst Brucknerhaus, Posthof, Kuddelmuddel, TipsArena und Sportparks.
1,68 Millionen Euro Abgang
Im April soll die neue Geschäftsführung der LIVA feststehen, daher sei jetzt ein konsequenter Kassasturz durchgeführt worden, so Lukas und auch Bürgermeister Dietmar Prammer (SPÖ).
Wie der Kassasturz zeigt, wird die LIVA das Geschäftsjahr 2024 nach aktueller Prognose mit einem Abgang von 1,68 Millionen Euro abschließen.
Hauptgründe:
- bei den Personalkosten gab es eine Steigerung gegenüber dem Wirtschaftsplan (1.020.000 Euro)
- bei der Klangwolke gab es eine Kostenüberschreitung (200.000 Euro)
- dazu kommen außerplanmäßige Beratungskosten (425.000 Euro)
„Die LIVA hat parallel zwei Anwaltskanzleien beschäftigt, ohne deren Aufgaben und Ziele hinreichend zu konkretisieren. Aber auch das Monitoring und die Steuerung der Kosten waren unzureichend. Das gilt auch für die Durchführung der Klangwolke“, so Lukas.
Mit dem Abgang von 1,68 Millionen Euro weise die LIVA erstmals ein negatives Eigenkapital von 310.000 Euro auf. Lukas habe daher umgehend den Bürgermeister sowie den Wirtschaftsprüfer informiert und für Prüfungsausschuss, Aufsichtsrat und Generalversammlung einberufen.
Bestandsgefährdung: 1,5 Millionen Euro Zuschuss nötig
Angesichts des negativen Eigenkapitals ist – ohne Sonderzuschuss der Stadt Linz – gesetzlich zwingend von einer Bestandsgefährdung auszugehen, worauf auch der Wirtschaftsprüfer umgehend hingewiesen habe.
„Angesichts ihrer heiklen Finanzlage ist die LIVA jetzt auf eine besondere Unterstützung durch die Stadt Linz angewiesen. Darum habe ich den Bürgermeister bereits gebeten. Zugleich habe ich zugesichert, dass der Aufsichtsrat weiterhin die Neustrukturierung der LIVA forcieren wird“, so Lukas.
Prammer stellt Unterstützung in Aussicht
Bürgermeister Prammer stellt die Unterstützung in Aussicht: „Wir werden die LIVA nach einem denkbar schwierigen Jahr nicht im Stich lassen. Ich bemühe mich gerade in einem konstruktiven Dialog mit den anderen Parteien um einen Konsens für eine gute Lösung. Zugleich müssen aber auch Strukturen und Prozesse erneuert werden“, erwartet sich Prammer eine konsequente Reform.
Für den Sonderzuschuss braucht es die Zustimmung im Gemeinderat. Von den Parteien kommen am Freitag mit gleichzeitiger starker Kritik erste Signale in diese Richtung. Mehr dazu hier.
Sonderproblem Überstunden: 18.000 Stunden zum Jahresende
Bei den Personalkosten gebe es das Sonderproblem Überstunden: Zum 31. Dezember 2023 hätten sich die Zeitguthaben auf über 18.000 Stunden belaufen, wenige Monate davor noch höher mit über 20.000 Stunden.
„Einer der Gründe war, dass die Berücksichtigung angefallener Überstunden – anders als in der Betriebsvereinbarung vorgesehen – nicht von ihrer Anordnung oder unverzüglichen nachträglichen Genehmigung abhängig gemacht wurde“, so Lukas.
Wie die Prüfung durch Lukas weiters ergeben hat, werden seit Jahren Zeitguthaben der Beschäftigten nur in einem beschränkten Umfang im Jahresabschluss berücksichtigt. Soweit sich die jeweiligen Zeitguthaben eines Mitarbeiters auf über 100 Stunden belaufen, wurden dafür dennoch nur jeweils im Umfang von 100 Stunden Rückstellungen gebildet.
Wie gravierend sich diese Vorgangsweise ausgewirkt hat, zeige der Jahresabschluss 2023. Es wurde für 7.490 Stunden Zeitguthaben eine Rückstellung von rund 190.000 Euro gebildet. Tatsächlich beliefen sich die Zeitguthaben auf über 18.000 Stunden mit einem gesetzlichen Rückstellungsbedarf von über 600.000 Euro.
„Trifft mit voller Härte“
„Im Geschäftsjahr 2024 trifft uns jetzt diese fragwürdige Bilanzierung der Vorjahre mit voller Härte. Einerseits wurden im Laufe des Jahres nicht rückgestellte Zeitguthaben in Höhe von 200.000 Euro ausbezahlt, andererseits wird jetzt in der Bilanz 2024 erstmals ein hoher Aufwand wirksam, der in den Jahren davor entstanden ist“, erklärt Lukas.
Er sieht die Schuld des „völlig unzureichenden Monitorings“ bei den Überstunden nicht bei den Beschäftigten, die Leitungsorgane seien für eine adäquate Personalkostenplanung und deren Einhaltung verantwortlich“, kritisiert der Aufsichtsratsvorsitzende. Prammer: „Das Management muss viel besser auf die Entwicklung der Personalkosten achten. Zeitguthaben außerhalb der Bilanz müssen für immer der Vergangenheit angehören.“
Reform der Prozesse und Strukturen
Aus Anlass des Kassasturzes hätten sich auch „erhebliche Defizite in den Strukturen und Prozessen des Personal- und Finanzwesens der LIVA“ gezeigt, wird von unzureichender Dokumentation, fehlender klarer Verantwortung für die Einhaltung von Planungsansätzen bei Personalkosten, Mängel bei der Kostenverfolgung und beim Kostencontrolling gesprochen. Auch die im Personalwesen eingesetzten IT-System seien nicht mehr „adäquat“.
„Müssen Umschwung schaffen“
„Wir müssen jetzt alle gemeinsam die Ärmel hochkrempeln und einen wirklichen Umschwung schaffen. Es geht dabei auch um die Haltung jedes Einzelnen und die Unternehmenskultur. Dabei wird es auch externe Expertise brauchen“, so Lukas.
„Ich bin sicher, dass Management und Belegschaft der LIVA wissen, worauf es jetzt ankommt. Diesen Umschwung werden wir auch durch eine externe Beratung unterstützen“, ergänzt Prammer.
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