Donnerstag 27. März 2025
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Hochzeitsverlosung - Thomas aus Amstetten

Thomas aus Amstetten

Fotocredit: Privat

Dreistigkeit siegt immer. Als Student, der multimedial von zuhause aus studierte, hatte ich wenig soziale Kontakte. Vorlesungen wurden online besucht, den nötigen Stoff entnahm ich aus meinen teuren Büchern, und der zwischenmenschliche Wissensaustausch fand über ein Forum im Internet statt. Nur zu den Prüfungen fuhr ich damals auf die Universität, war aber aufgrund der Nervosität kaum in der Lage, jemand anzusprechen oder kennen zu lernen. Anschließend eilte ich sofort nach Hause, um den Kopf frei zu bekommen und meine krampfende, von Kugelschreibertinte verschmierte Hand bei einer gemütlichen Runde StarCraft 2 – einem Computerspiel – zu entspannen. Mein damals bester Freund, ein Metaller mit langen, braunen Haaren, schwarzer Lederjacke mit Nieten und Springerstiefel, forderte mich immer wieder dazu auf, doch einmal die staubigen Skripten liegen zu lassen und mal fortzugehen. Ich habe jedes Mal dankend abgelehnt. Die vielen Leute, der Lärm, der Geruch von Zigarettenrauch und billigem Fussel, das war alles nichts für mich. Lieber saß ich zuhause und spielte mit Freunden oder ging ins Fitnessstudio, das reichte mir als Interaktion mit anderen Menschen vollkommen aus. Eines Abends hatte er es geschafft, mich zu überzeugen. Einmal musste ich ja in meiner Studienzeit fortgehen, sonst würde ich es mir, wenn ich alt und runzlig bin, niemals verzeihen. Also trottete ich mit, in die Altstadt von Linz. Es war nicht so schlimm, wie ich es mir vorgestellt habe. Es war viel schlimmer. Ein heftiger Wind blähte an diesem Oktoberabend im Jahre 2014, es roch nach Schnee und Eis, von 15 Grad zu Silvester nicht die Rede. Dennoch waren eine Menge junge Feierwütige unterwegs, sodass ich trotz der Kälte stark schwitzte. Die Bars waren voll, die Straßen verstopft, es wurde geschrien, gepöbelt und geschubst. Mein Freund war bester Laune, die meine hingegen war im Keller. Wir kämpften uns zwischen Betrunkenen hindurch, immer auf der Suche nach dem billigsten Bier. Ich wollte kein Spielverderber sein, versuchte, mich auf die Situ- ation einzulassen, obwohl es schwerfiel. Doch als mir schon wieder jemand über die Füße stolperte, sah er, wie ich mit den Zähnen knirschte. Er überlegte kurz und zog mich in eine Bar, die „sicher nicht so überfüllt ist, und wo die Musik auch nicht so scheiße sein wird!“. Wir gingen ins Abs, eine Metall-Bar. Und tatsächlich. Im Gegensatz zu den anderen Lokalen war es hier nicht gerammelt voll. Sie spielten gute Musik und man konnte zumindest den Arm ausstrecken, ohne dabei einen Mitfeierenden gleich ins Gesicht zu schlagen. Ich atmete auf, wurde sichtlich entspannter und dann sah ich sie. Eine junge, blonde Metallerin saß mit ihrer Freundin nahe dem Eingang und unterhielt sich angestrengt. Ein kleines, weiß-buntes Einhorn stand auf ihrem Tisch. Mein Freund kannte die beiden und eilte gleich zu ihnen, um uns vorzustellen. Als sie zuerst ihn, und dann mich ansah, war es um mich geschehen. Dieses Funkeln in ihren Augen. Als würde die Welt für einen Atemzug stillstehen. Ich wusste nicht, was ich sagen, was ich denken sollte. Ich war so verloren in ihren grünen Augen, und dem verschmitzten Lächeln, welches sich auf ihre Lippen zauberte, während ich da stand wie eine einsame Laterne auf einer Landstraße – stocksteif und nicht sehr helle. Ich weiß nicht warum, aber just in diesem Moment fiel mir ein Zitat aus einem Film ein: „Dreißtigkeit siegt immer!“. Ich atmete tief ein, drückte die Brust raus, nahm Haltung an, kratze jedes Bisschen Intelligenz, was in meinem Hirn noch vorhanden war, zusammen, streckte die Hand aus und sagte: „Hallo, ich bin Thomas.“ Ja, ich weiß. Sehr originell, sehr dreist, und wahnsinnig kreativ. Ich war trotzdem mächtig stolz auf mich. Sie hieß Isabella und kam gerade mit ihrer Freundin vom Urfix - dem kleinen Jahrmarkt von Linz. Und sie bräuchte unbedingt einen Namen für das Stofftier, welches ihre Sitznachbarin für sie gewonnen hatte. Ich sah sie an, dann das Einhorn, und sagte: „Prinzessin, das passt zu zu euch beiden!“. Ich weiß, schon wieder wahnsinnig kreativ und originell. Aber es funktionierte. Das Funkeln in ihren Augen wurde noch heller, sie lachte vergnügt, und ich wusste, dass ich alles richtig gemacht habe. Wir unterhielten uns noch eine Weile, bis mich mein Freund wieder weiterzog. Er wollte mir unbedingt den Barkeeper und ein paar andere Gestalten vorstellen. Ich verabschiedete mich schweren Herzens und folgte ihm. Es dauerte ein paar Tage, bis ich wieder von ihr hörte. Sie schickte mir auf Facebook eine Freundschaftsanfrage, und da ich immer noch so stolz auf meinen neuen Leitspruch: „Dreistigkeit siegt immer“ war, antwortete ich sofort darauf. Trotz meiner ungeschickten Versuche, so etwas wie einen ordentlichen Flirt hinzubekommen, schaffte ich es, ein erstes Date zu vereinbaren – wir gingen in eine Pizzeria. Ich aß eine Calzone, sie fastete. Schließlich hatte sie bereits zu Mittag eine ganze Salami- Pizza gegessen, obwohl sie wusste, dass wir beide am Abend Pizza essen gehen würden. Und von da an wusste ich, dass sie die Richtige für mich ist. Acht Jahre später hielt ich, ganz nach meinem alten Motto, am 11.11.22, zu Beginn des Faschings, um ihre Hand an, und sie sagte mit dem gleichen Funkeln in ihren Augen Ja.


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