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Verein Immanuel: Franz Hochstöger löst Bernhard Klein als Obmann ab

Mag. Claudia Greindl, 31.03.2025 14:47

BEZIRKE FREISTADT/PERG. Wechsel an der Spitze des Vereins Immanuel: Franz Hochstöger (64), Bürgermeister a. D. aus St. Georgen am Walde, löst Bernhard Klein aus Sandl als Obmann ab. Immanuel betreut derzeit 64 Menschen mit psychosozialer Benachteiligung bzw. psychiatrischer Diagnose aus den Bezirken Freistadt, Perg und Urfahr-Umgebung bei der Integration in den Arbeitsmarkt.

Bernhard Klein, Immanuel-Gründungsobmann und BEzirkshauptfrau-Stellvertereter, Geschäftsführer Reinhard Riegler, der neue Obmann Franz Hochstöger (v. l.) (Foto: Greindl)
Bernhard Klein, Immanuel-Gründungsobmann und BEzirkshauptfrau-Stellvertereter, Geschäftsführer Reinhard Riegler, der neue Obmann Franz Hochstöger (v. l.) (Foto: Greindl)

„Wenn ich mich um was annehme, dann ernsthaft“, sagt Franz Hochstöger. Der Geometer und von 2015 bis 2021 Bürgermeister von St. Georgen am Walde ist seit 2016 als Kassier-Stellvertreter bzw. Kassier im Verein Immanuel aktiv. Ab 1. Juli schließt Hochstöger sein Vermessungsbüro, das er seit Jänner 2000 in St. Georgen am Walde geführt hat, und tritt seinen Ruhestand an. „Der Verein Immanuel ist eine neue Herausforderung, da ich als Techniker ja nicht unbedingt im Sozialbereich daheim bin“, sagt der Nachfolger von Gründungsobmann Bernhard Klein. Als neugieriger und an Region und Menschen interessierter Mensch liegen dem Absolventen der TU Wien die Immanuel-Kunden am Herzen.

Ziel: Gemeindenahe Integration in den Arbeitsmarkt

Die Kunden – das sind derzeit 64 Frauen und Männer, die es am ersten Arbeitsmarkt aufgrund von psychosozialer Benachteiligung (wie z. B. Entwicklungsverzögerung, Intelligenzminderung) oder psychiatrischer Diagnose schwer haben. Geschäftsführer Reinhard Riegler und seine Mitarbeiterin Susanne Hochedlinger sind ihre Ansprechpartner und bemühen sich um ihre Vermittlung an Arbeitgeber in der Region. Diese bekommen für ihren zusätzlichen personellen Aufwand oder die verminderte Leistung eine Förderung von der Sozialabteilung oder dem AMS.

Wie es zur Vereinsgründung kam

„Der Anstoß zur Gründung von Immanuel ist von Felix Diesenreither aus Schönau gekommen, auch die damalige Landtagsabgeordnete Gabi Lackner-Strauss und Liebenaus Bürgermeister Erich Punz haben den Gedanken aufgegriffen, jene auf dem Arbeitsmarkt unterzubringen, die sich schwer tun. Und die gibt es in jeder Gemeinde“, blickt Bernhard Klein zurück. In einen Bus zu steigen, nach Linz zu fahren, um zu einer Arbeitsstätte zu gelangen, ist für Betroffene oft unmöglich.

Die Anfangsjahre: mühsame Firmensuche

Die Netzwerkarbeit hat gefruchtet, wobei die ersten Jahre nach der Gründung 2005 von mühsamer Firmensuche geprägt waren. „Schlussendlich haben wir viele Unternehmer ins Boot holen können, die auf Dauer oder immer wieder Kunden von uns aufnehmen“, sagt Geschäftsführer Reinhard Riegler. Dazu zählen etwa der Reitpark Gstöttner in Schönau, Holzbau Buchner in Mötlas, die Malerei Schaurhofer in St. Georgen/W., der Biohof Mascherbauer in Schwertberg und der Strasser Markt in Perg. Betriebe und Kunden müssen zusammenpassen, dazu braucht es viel Verständnis für die Menschen mit Beeinträchtigung - von seiten der Arbeitgeber ebenso wie von den Kollegen. Nicht immer gelingen die Arbeitsverhältnisse auf Dauer, weil die psychische Stabilität der Kunden schwankt. „Oft haben wir lange keinen Kontakt, dann ist wieder unsere Hilfe nötig“, weiß Riegler. Die Unterstützung ist zeitlich unbefristet.

Manchmal gehe es Schützlingen auch so schlecht, dass sie kaum morgens aufkommen geschweige denn die Wohnung verlassen können. „Daher sind unsere gemeinsamen Unternehmungen wie Spielenachmittage, Kegelabende oder unser Sommerfest so wichtig. Sie lockern den tristen Alltag auf, die Kunden, die Menschenansammlungen oder Lärm oft gar nicht aushalten, schaffen es, sich zu überwinden und aus sich herauszugehen“, berichtet Reinhard Riegler. „Wenn einem ein Fuß fehlt, sieht man das gleich. Eine psychosoziale oder psychische Beeinträchtigung ist nicht auf den ersten Blick zu sehen, sie kann aber jederzeit jeden treffen“; fügt er hinzu und wirbt um Verständnis für seine Kunden.

Was sich Immanuel wünscht

Die Zahl der Kunden wachse erfahrungsgemäß stetig, die Förderhöhe sei gleich wie vor 20 Jahren. Mittlerweile ist für die Betreuung bzw. Förderung der Arbeitsintegration eine psychiatrische Diagnose Voraussetzung. „Natürlich würden wir uns mehr Fördermittel wünschen“, sagt Bernhard Klein, der Immanuel als Obmann-Stellvertreter erhalten bleibt. Immerhin sei die Förderhöhe aber in den vergangenen Jahren auch nicht gekürzt worden. Der Verein verweist aber auch auf Erfolgsgeschichten: Etliche Kunden haben eine Ausbildung geschafft oder im Beruf fest Fuß gefasst.

Die Protagonisten des Vereins Immanuel haben in den vergangenen Jahren auch weitere Ideen für die Region entwickelt, darunter jene von einem regionalen Kinderheim. Dieses wird heute von pro juventute in Sandl betrieben. Andere Projekte sind hauptsächlich an der Finanzierung gescheitert.

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