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Weil Gewalt viele Sprachen hat: Dolmetscherinnen fürs Frauennetzwerk

Martina Gahleitner, 01.06.2021 17:48

ROHRBACH-BERG. Jede Frau sollte bei häuslicher Gewalt Hilfe suchen können – in ihrer Muttersprache. Deshalb hat das Frauennetzwerk einen Dolmetscherinnen-Pool aufgebaut.

Viele Frauen sind von häuslicher Gewalt betroffen, nehmen diese aber zu oft und zu lange hin. (Foto: Ken stocker/Shutterstock.com)
  1 / 2   Viele Frauen sind von häuslicher Gewalt betroffen, nehmen diese aber zu oft und zu lange hin. (Foto: Ken stocker/Shutterstock.com)

Die Niederschwelligkeit auch für Frauen mit anderen Muttersprachen ist Frauennetzwerk-Leiterin Jutta Müller schon lange ein Anliegen. Mit einem österreichweiten Projekt über das Netzwerk der österreichischen Frauen- und Mädchenberatungsstellen habe sie nun das richtige Werkzeug in Händen, freut sich Müller. Allein im Rohrbacher Frauennetzwerk decken vier Frauen sieben Sprachen ab: Persisch, Türkisch, Kurdisch, Spanisch, Englisch, Bosnisch-Kroatisch, Italienisch.

Geschult für frauenspezifische Themen

Österreichweit werden in 20 Beratungsstellen rund 80 professionelle und Laiendolmetscherinnen zu frauenspezifischen Themen, vor allem auch in Bezug auf Gewalt, geschult. Gefördert wird das Projekt über den Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF). Frauen werden verstanden „Dieses Angebot soll auch Frauen mit anderen Muttersprachen die Möglichkeit geben, Hilfe bei häuslicher Gewalt in Anspruch nehmen zu können“, macht Jutta Müller aufmerksam. „Sie sollen wissen, dass sie verstanden werden. Unsere ehrenamtlichen Dolmetscherinnen machen eine weitere Tür auf, um die Gewaltspirale zu unterbrechen.“

Deutlicher Anstieg bei Gewaltberatungen

Denn dass dies notwendig ist, weiß sie aus täglicher Erfahrung: Im Corona-Jahr 2020 gab es im Frauennetzwerk Rohrbach doppelt so viele Gewaltberatungen wie 2019. „Wir geben Handlungstipps, um Attacken zu vermeiden; um die Situation abzufedern, wenn die Spannung steigt. Aber was wir wirklich brauchen, sind Übergangswohnungen für gewaltbedrohte Menschen im Bezirk, damit etwa betroffene Kinder weiterhin in den Kindergarten oder die Schule gehen können. Frauen halten gerade wegen ihrer Kinder viel zu oft und zu lange still, auch wenn die Situation immer wieder ausartet.“ Jutta Müller ist überzeugt, dass sich dann auch mehr Frauen melden würden.

Geld in die Hand nehmen

„Gewalt darf in einer Beziehung keinen Platz haben“, bekräftigt die Frauennetzwerk-Geschäftsführerin und fordert: „Wir müssen endlich öffentlich etwas tun und Geld in die Hand nehmen.“ Es sei Aufgabe des Landes, dass auch in ländlichen Gebieten Übergangswohnungen geschaffen werden, die finanziert sind. Die Frauenwohnungen, die es in Rohrbach-Berg bereits kurzzeitig gegeben hat, sind eben an der dauerhaften Finanzierung gescheitert. Denn der Verein könne diese nicht übernehmen, sagt Müller.

Das Frauennetzwerk ist bei häuslicher Gewalt rund um die Uhr über das Kontaktformular auf www.frauennetzwerk-rohrbach.org erreichbar.
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8 bis 12 Uhr, Donnerstag 13 bis 16 Uhr;
Tel. 07289/6655, Stadtplatz 16/2, Rohrbach-Berg

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